Online-Geschäftsbericht
2014/2015
Stärken Nutzen. Perspektiven eröffnen. Wir schaffen Wert mit einem attraktiven Portfolio und mit Fondsberatung.

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

Mitglieder des Vorstands

MITGLIEDER DES VORSTANDS

Von links nach rechts:
DR. ROLF SCHEFFELS, TORSTEN GREDE (Sprecher), SUSANNE ZEIDLER

 

Frankfurt am Main, 9. Dezember 2015

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre

unser Geschäftsmodell zeichnet sich durch viele Besonderheiten aus – eine wesentliche ist, dass kaum ein Geschäftsjahr verläuft wie das vorherige. Standen 2013/2014 erfolgreiche Veräußerungen im Mittelpunkt, war das jüngste Geschäftsjahr von Investitionen geprägt. Um sieben neue Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand haben wir das Portfolio ergänzt. Wir haben so viel investiert wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Das ist eine gute Grundlage für künftige Wertsteigerungen. Zwischen Investition und Veräußerung ist die Weiterentwicklung unserer Portfoliounternehmen das Kontinuum unseres Geschäfts. Das Konzernergebnis von 27,0 Millionen Euro und die Steigerung des Eigenkapitals je Aktie um 10,0 Prozent zeigen, dass wir damit auch im vergangenen Geschäftsjahr erfolgreich waren.

Wenn Sie die Zahlen in diesem Geschäftsbericht mit denen des vergangenen Jahres vergleichen, werden Sie auf Änderungen gegenüber bisher veröffentlichten Zahlen stoßen. Wir mussten unsere Bilanzierung an einen neuen Berichtsstandard anpassen; deshalb haben sich die Vorjahreszahlen geändert.

Zwei weitere Gründe erschweren den Vergleich mit 2013/2014: Geschäftsjahre der DBAG enden jetzt bereits am 30. September. Wir erreichen damit einen besseren Gleichklang unserer Berichterstattung mit dem Berichtsrhythmus des Kapitalmarktes. 2014/2015 war deshalb ein Rumpfgeschäftsjahr mit nur elf Monaten. Bedeutsamer sind die Auswirkungen der Änderung unseres Systems zur Beteiligung der Mitglieder des Investmentteams an den Investitionserfolgen, die vor nahezu zehn Jahren beschlossen worden war. Nun hat sich das neue System erstmals im Abschluss ausgewirkt.

Was ist der Hintergrund? Jede Investitionsentscheidung der Deutschen Beteiligungs AG muss mit einer privaten Investition derjenigen begleitet werden, die an der Investitionsentscheidung mitwirken. Auch dies ist eine Besonderheit unseres Geschäftsmodells und im Private-Equity-Geschäft üblich. Es soll dazu dienen, die Interessen der Investoren – in diesem Fall Ihre Interessen als Aktionäre – und des Investmentteams in Einklang zu  bringen. Mitglieder des Investmentteams partizipieren so über ihr Investment aus privaten Mitteln am wirtschaftlichen Erfolg (oder Misserfolg) der Beteiligungen. Sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind, steht ihnen ein überproportionaler Anteil an den Veräußerungserlösen zu. Zur Ermittlung dieses sogenannten Carried Interest wird dabei der Gesamterfolg aus den Beteiligungen der DBAG an der Seite eines DBAG-Fonds betrachtet.

Mit dem DBAG Fund V ist die DBAG elf Beteiligungen eingegangen. Vier davon sind mit zum Teil sehr großem Erfolg in den vorangegangenen Jahren veräußert worden, die übrigen sieben entwickeln sich sehr gut. Investiert zwischen Juni 2010 und Mai 2013, bilden sie nach einer erfreulichen Wertsteigerung inzwischen einen Schwerpunkt im Portfolio. Allein 2014/2015 erhöhte sich ihr Wert um 50 Prozent. Der Anteil der DBAG an den künftigen Veräußerungserlösen dieser Beteiligungen ist deshalb durch einen Carried-Interest-Anspruch der Mitglieder des Investmentteams gemindert. Der Anspruch steht für den kumulierten bisherigen Erfolg aus dem DBAG Fund V seit der Aufnahme seiner Investitionstätigkeit. Er berücksichtigt also auch die Gewinne aus den bereits veräußerten vier Beteiligungen. Seine Auszahlung wird sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren erstrecken, korrespondierend mit der Realisierung der Wertsteigerung der einzelnen Beteiligungen.

Der Anspruch ist in dem Ergebnis aus dem Beteiligungsgeschäft berücksichtigt. Es wird im Wesentlichen aus dem Bewertungsergebnis gespeist, das die Wertsteigerung der Portfoliounternehmen widerspiegelt. Die auf Jahresfrist bessere Stimmung am Kapitalmarkt hat hierzu einen positiven Beitrag geleistet. Allerdings war wiederum die höhere Ertragskraft der Unternehmen die wichtigste Ursache für das erneut gute Bewertungsergebnis. Die Unternehmen haben ihre Ergebnisse im Schnitt um 8,5 Prozent gesteigert. In dieser Zahl sind nur jene Unternehmen berücksichtigt, die schon zu Beginn des Geschäftsjahres im Portfolio waren.

Das Ertragswachstum ist auch das Ergebnis der Veränderungsprozesse in unseren Portfoliounternehmen. Dabei geht es zum Beispiel um die Optimierung von Produktionsabläufen, um den Ausbau des Vertriebs oder um eine Überarbeitung der Produktpalette. Wir bestärken unsere Portfoliounternehmen darin, in ihr Geschäft zu investieren. Dazu gehören auch Unternehmenskäufe. Auf diese Weise können weiße Flecken auf ihrer Vertriebslandkarte schnell erschlossen oder ergänzende Produkte ins Portfolio genommen werden. Im vergangenen Geschäftsjahr haben sechs Portfoliounternehmen kleinere Unternehmen hinzugekauft, im Geschäftsjahr zuvor waren es ebenso viele. Wir begleiten diese Veränderungen, falls nötig, mit weiterem Kapital.

Von den Investitionen des Geschäftsjahres entfielen rund neun Millionen Euro auf Kapitalerhöhungen zur Finanzierung solcher Zukäufe. Der weitaus größte Teil der Investitionen galt jedoch den neuen Portfoliounternehmen, die wir Ihnen in diesem Geschäftsbericht vorstellen. Nach den fünf Management-Buy-outs und den Beteiligungen an Familienunternehmen sind die beiden Fonds, an deren Seite wir investieren, zu rund der Hälfte investiert.

Wir stellen Eigenkapital für eine Vielzahl von Finanzierungsanlässen im Mittelstand bereit. Das unterscheidet uns von vielen Wettbewerbern. Über die Co-Investments an der Seite der Fonds gestalten wir den Erwerb eines Unternehmens oder beteiligen uns minderheitlich an wachsenden Unternehmen. Die gute Marktposition der DBAG zeigt, dass wir damit Zuspruch finden. Unser Angebot haben wir noch einmal verbessert. Mit dem Fonds für Wachstumsfinanzierungen können wir nun auch Beteiligungen eingehen, die eine längere Haltedauer vorsehen als das bisher möglich war. Diese Flexibilität erhöht die Attraktivität unseres Angebots, geht zunächst allerdings zulasten des Ergebnisses aus der Fondsberatung, weil damit auch ein neues Vergütungsschema verbunden ist.

Ungeachtet des leichten Rückgangs im vergangenen Rumpfgeschäftsjahr sind die Erträge aus der Fondsberatung stabil und gut planbar. Ihr Wachstum in den vergangenen Jahren zeigt, wie sehr unsere Leistung von anderen Investoren wertgeschätzt wird. Das Wachstum nehmen wir zum Anlass, eine um zehn Eurocent höhere Basisdividende vorzusehen. Sonderdividenden setzen maßgebliche Rückflüsse aus dem Portfolio voraus. Wesentliche Exits gab es im Geschäftsjahr 2014/2015 zwar nicht, allerdings besteht aus erfolgreichen Veräußerungen in den vorangegangenen Geschäftsjahren ein Bilanzgewinn von 67,1 Millionen Euro. Aufsichtsrat und Vorstand schlagen daher vor, aus den in der Vergangenheit verdienten Mitteln für das Geschäftsjahr 2014/2015, in dem die DBAG auf „ 50 Jahre DBAG“ und „30 Jahre Börsennotierung“ zurückblicken konnte, eine Verdoppelung der Basisdividende zur Grundlage des Ausschüttungsvorschlags zu machen. Insgesamt soll damit – vorbehaltlich der Zustimmung durch die Hauptversammlung – eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie ausgeschüttet werden.

2015 haben wir uns an unsere Gründung im September 1965 und an die Erstnotierung unserer Aktie im Dezember 1985 erinnert. Zwei Erfolgsgeschichten.

Auch für die Zukunft sind wir zuversichtlich, und zwar aus drei Gründen: Unser Produkt wird gebraucht. Privates Beteiligungskapital spielt eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung von Unternehmen – beim Generationenübergang, bei der Neuausrichtung von Konzernen oder zur Wachstumsfinanzierung. In diesem Umfeld wird die DBAG als bevorzugter Beteiligungspartner im deutschen Mittelstand wahrgenommen.

Zweitens: Wir haben gezeigt, wie leistungsfähig unser Geschäftsmodell ist und wie viel Wert sich damit schaffen lässt. Private Equity erzielt gegenüber anderen Eigenkapitalinvestments oftmals eine Überrendite. Intensiver als die Investmentmanager einer Private-Equity-Gesellschaft analysiert kaum jemand ein Zielunternehmen, bevor er investiert. Es ist naheliegend, dass eine sorgfältige Analyse zu Beginn die Grundlage für den Investitionserfolg ist. Hinzu kommt unter anderem eine Corporate Governance, die losgelöst vom Quartalsrhythmus des Kapitalmarkts wirken kann. Auch das steigert den Erfolg.

Und drittens: Wir trauen uns zu, auch künftig Wertsteigerungen zu erzielen und in unserem Geschäft mehr zu verdienen als die Kosten unseres Eigenkapitals. 2014/2015 haben wir unsere Arbeitsabläufe weiter verbessert, in unser Investmentteam und in unseren Marktauftritt investiert. Dies wird es uns ermöglichen, unser Portfolio immer wieder um vielversprechende Unternehmen zu ergänzen.

Kurzfristig, also im laufenden Geschäftsjahr 2015/2016, bestimmt das vorhandene Portfolio unseren Erfolg. Nach den hohen Investitionen der vergangenen zwölf Monate ist es deutlich größer geworden. Die Basis, mit der wir Wertsteigerungen erzielen können, ist nun breiter als vor einem Jahr. Zudem ist der Reifegrad der Beteiligungen gewachsen. Unser Portfolio ist insgesamt in guter Verfassung. Wir wissen um die Qualität der Unternehmen, in die wir investiert haben. Wir planen deshalb ein Konzernergebnis, das deutlich über dem des abgelaufenen Geschäftsjahres liegt. Wie immer steht unsere Prognose unter dem Vorbehalt eines stabilen Umfelds. Das gilt für den Kapitalmarkt, dessen Bewertungsverhältnisse unser Ergebnis beeinflussen. Es gilt aber auch für die allgemeine wirtschaftliche Lage, denn auch ein größeres und ausgewogeneres Portfolio unterliegt konjunkturellen Einflüssen.

Torsten Grede Dr. Rolf Scheffels Susanne Zeidler